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Es geht nur um die "Geschichte", nicht um Information

Erneute reisserische Berichterstattung über CDK

Am vergangenen Mittwoch musste ich eine Redaktorin der Luzerner Zeitung zurückrufen - Stichwort CDK (= Christlich-demokratische Vereinigung der Kosovaren). Schon das alleine machte mich stutzig: Wieso ausgerechnet ein paar Tage vor den Wahlen darüber berichten? Denn es gab keine Neuigkeiten, die zeitkritisch waren. Meine Unterstellung war (aufgrund der bisherigen Erfahrungen über die Art und Weise, wie über die CDK berichtet wird), dass es nur eine reisserische, zugespitzte und unvollständige Berichterstattung sein könne - vermutlich sogar verbunden mit der Absicht, der CVP zu schaden.

 

Beim Telefonat erfuhr ich dann, dass die Journalistin bereits mit Llesh Duhanaj gesprochen und dass sie von ihm die Informationen über den Stand der Arbeiten schon erhalten hatte und, dass er gesagt haben soll, man wolle an den Gemeinderatswahlen teilnehmen. Letzteres konnte ich mir nicht vorstellen und ist auch nicht wahr, wie ich von Llesh Duhanaj weiss. Trotzdem, wie kommt es, dass die Sache thematisiert wird?

 

Wie Journalisten zu ihren Stories kommen

Im Gespräch zwischen Auskunftsperson und Journalistin läuft dies nämlich so, dass zuerst allgemein über das Projekt gesprochen wird und die Informationen ausgetauscht werden. Alles mehr oder weniger im Plauderton und sehr freundlich. Irgendwann kommt es dann bei einem Thema wie der CDK zwangsläufig auch zur Frage: Ja wollt ihr dann an den Wahlen teilnehmen? Wenn man sagt, das könne schon sein aber sei noch nicht aktuell, dann reicht das natürlich nicht, um eine Story zu machen. Also fragt die Journalistin: Können Sie sich denn vorstellen, an Wahlen teilzunehmen? Wer kann sich das nicht? Also stimmt man vage zu, dass das sein könne. Und schon ist der Kessel geflickt. Nicht wirklich vertieft wird, wann es denn in zeitlicher Hinsicht soweit sein könnte und in welcher Form (bspw. von Ortspartei nominiert oder nicht).

Die guten Projekte, die an der Vereinsversammlung angedacht und vom Vorstand beschlossen sind, stehen in der Aufmachung völlig im Abseits. Keines der vier Projekte beinhaltet ja auch die "Teilnahme an Wahlen".

 

Die Journalistin geht dann hin uns ruft eben den Parteipräsidenten an und sagt dem: Man habe ihr gesagt, dass die CDK an den Gemeinderatswahlen im Frühling teilnehmen wolle.

Da muss dieser keine zwei Sekunden nachdenken und sieht die Schlagzeile schon: Kosovaren wollen in den Gemeinderat! Denn das ist der Aufreger, die Story, nicht der Zusammenhang, nicht die Tatsachen.

Meine Intervention hat nur teilweise gefruchtet: Weil die letztlich doch nötigen Zitate mangels Korrektheit nicht autorisiert wurden, ist erstens die Geschichte umgeschrieben worden und zweitens wird ein nicht genannt sein wollende Informant bemüht. Und der vorausschaubare Titel kriegt ein Fragezeichen angehängt.

 

Fazit: Es ging der Redaktion - nicht nur der Journalistin - nie darum, über den Stand der Arbeiten zu informieren. Es geht nur darum, eine Story zu haben.

Dort, wo die Journalisten bei der NLZ im Text einigermassen sachlich informieren, dort kommt dann der Chefredaktor oder sonst wer, und setzt noch einen süffigen Titel darüber. Denn bei der NLZ hat nicht der schreibende Redaktor die Macht, den Titel zu setzen, sondern andere - wer wissen wir nicht genau.

Wie der Titel lautet, habe ich dem heute kommentierenden Herrn Martinu bereits am Donnerstag gemailt (siehe oben: Kosovaren wollen in den Gemeinderat). Nun ist er im "Anreisser" auf der Titelseite angepasst: "CVP-Kosovaren im Gemeinderat?" Das Fragezeichen ist wichtig, denn ohne wäre die Aussage objektiv falsch und man könnte die Story nicht machen.

 

Heftige Auseinandersetzung

Es hat dann eine heftige Auseinandersetzung zwischen mir und zwei Redaktionsmitgliedern gegeben. Irgendwann kommt dann die scheinheilige Frage: Ja wieso habt ihr den Angst vor einer Berichterstattung?

Und hier ist der Punkt, die gestellten Fragen und die Antworten offenzulegen. Weil ich mehr als sauer war verlangte ich die Fragen per Mail und antwortete auch per Mail:

 

Frage: Hat die CVP einen derart grossen Zulauf zur CDK erwartet?

Antwort: "Nein, wir haben nicht damit gerechnet, obwohl die CDK-Verantwortlichen immer gesagt haben, dass dies ein Erfolg werden würde."

 

Frage: Ist es realistisch, dass Mitglieder der CDK im Frühling zu den Gemeinderatswahlen antreten?

Antwort: "Kein CDK-Mitglied hat jemals gesagt, dass man zu den nächsten Gemeinderatswahlen antreten wolle. Diese Absicht hegt niemand."


Frage: Welche Rückmeldungen hast Du im Bezug auf die CDK bekommen?
Antwort: "Erst als die NLZ negativ über die CDK-Gründung berichtete, gab es auch negative Rückmeldungen. Vorher waren sie durchwegs positiv."

Frage: Wäre es denkbar, dass die CVP bei den nächsten Kantonsratswahlen mit einer Kosovarenliste, ähnlich wie die Bauernliste, antritt?
Antwort: "Es hegt niemand die Absicht, mit einer separaten CDK-Liste an Wahlen teilzunehmen. CDK-Mitglieder steht aber die Kandidatur auf CVP-Listen offen. Bei der Landoffensive war die Konstellation völlig anders."

Frage: Weshalb befürchtet die CVP Wählerverluste, wenn die NLZ vor den Wahlen das Thema aufgreift?
Antwort: "Wir machen mit der NLZ-Berichterstattung schlechte Erfahrungen. Es wurden Teilaspekte aufgebauscht oder reisserische Titel gesetzt. Verluste befürchten wir nicht. Die negative Berichterstattung der NLZ hat aber der CVP und CDK direkt geschadet. Vor weiterem solchen Schaden wollen wir uns im Hinblick auf die geplante Berichterstattung schützen."

 

Mir war klar, dass die NLZ nie den Mut und die Courage aufbringt, in ihr eigenes Blatt kritische Worte über ihre Berichterstattung zu bringen. Sie fordert aber dann von uns mehr Selbstbewusstsein im Zusammenhang mit diesem Projekt. Immerhin wurde das Projekt endlich kommentiert. Das wollte ich schon lange, denn eine NLZ kann es sich nicht leisten, gegen die Integration von eingebürgerten Kosovaren im politischen Prozess Stellung zu nehmen.

 

Wenn wir uns gegen eine Berichterstattung über so ein Projekt vor den Wahlen wehren, dann nicht aus Angst, das Projekt an sich schade der Partei. Sondern aus der Erfahrung heraus, dass nicht objektiv und unter Verzicht auf Zuspitzungen und reisserischen Titeln informiert wird.

Nun sind wir bestätigt: Ein nur auf Nachfrage herausgelocktes theoretisches Ja auf die Frage, ob man an Gemeinderatswahlen teilnehmen wolle, wurde zur Story. Die Nuance, dass man nicht der Lüge bezichtigt werden kann, macht ein Fragezeichen aus.

Wir können zu dem stehen, was wir machen. Wir lassen uns aber heikle politische Projekte nicht kapputtschreiben.

 

Wer glaubt, wir werden informiert, der lebt im falschen Film. Wenn wir aber nicht informiert werden, und trotzdem geschrieben wird, ja was sind wir dann? 

 

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